Geschreven door: | anoniem (4 havo) |
Datum ingestuurd: | 27 maart 2005 |
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Schiefer Turm von Pisa wird gerade
Nach elf sorgenvollen Jahren ist die Rettungsaktion für den schiefen Turm von Pisa abgeschlossen. Er ist immer noch schief, aber zumindest droht er vorerst nicht mehr umzufallen. Am 16. Juni 2001 wurde er in einer feierlichen Zeremonie wieder für Besucher geöffnet - allerdings nur für eine kleine Gruppe Auserwählter. Den Touristenströmen, die den Turm in den vergangenen elf Jahren nur aus der Ferne betrachten konnten, wird das schräge Wahrzeichen Pisas wieder ab November zugänglich sein.
Auf der Piazza dei Miracoli hat die Technik ein Wunder vollbracht. Nach unzähligen misslungenen Versuchen steht der schiefe Turm von Pisa jetzt endlich wieder ein bisschen aufrechter. Ganz gesund wird das Wahrzeichen der Stadt wohl niemals werden, doch bis auf weiteres ist der Patient außer Lebensgefahr. Anfang Juni wurden die hundert Meter langen und vier Tonnen schweren Stahlseile entfernt, die dem Turm während der Sanierungsarbeiten Halt gegeben hatten. Das ist ein spannender Moment, denn ab jetzt muss sich der fallsüchtige Turm wieder von alleine aufrecht halten.
Drei Jahre lang wurde unter der Nordseite des Turms Erdreich herausgebohrt. Dreißig Tonnen Erde mussten entfernt werden, um den Turm um vierzig Zentimeter aufzurichten. Zur Sicherheit wurde er während der Sanierung mit Bleigewichten beschwert und mit Stahlseilen verspannt. Fast 390 Millionen Schilling haben diese Arbeiten gekostet. Jetzt ist der Turm wieder so schief wie vor 250 Jahren - und das reicht aus, um ihn vor dem Umfallen zu bewahren.
Der Turm von Pisa hat in jeder Hinsicht eine bewegte Geschichte hinter sich: Im 12. Jahrhundert wurde mit seinem Bau als Glockenturm für den Dom begonnen. Doch schon fünf Jahre nach Baubeginn mussten die Arbeiten abgebrochen werden, weil der Untergrund nachgab wie Pudding. Nach 200 Jahren war der Bau des 55 Meter hohen Turms abgeschlossen, doch er hörte nicht auf zu sinken. Seine Schieflage lockte schon im Mittelalter die Touristen an und ist auch heute noch die eigentliche Attraktion des prächtigen Bauwerks. Der Glockenturm sollte ein Zeichen für die Macht Pisas sein - doch er wurde zum Symbol für die Vergänglichkeit der Architektur.
Manche Touristen hoffen sogar auf den einzigartigen geschichtsträchtigen Moment und würden ihn gerne umfallen sehen. Viele Geschichten ranken sich um den schiefen Turm von Pisa: Laut einem nicht auszurottenden Mythos soll Galileo Galilei dort seine Fallgesetze studiert haben. Schon 1838 wollte ein Architekt den Turm aufrichten und zerstörte ihn dabei fast. Er ließ Teile des Fundaments ausgraben und Grundwasser abpumpen - prompt legte sich der Turm weitere zwanzig Zentimeter zur Seite. Sogar die Mafia hatte es auf den Turm abgesehen, wie Staatsanwalt Vigna vor vier Jahren bekanntgab. Sie wollte den Turm sprengen, um die Freilassung ihrer Bosse zu erzwingen.
Das hätte die Stadt, aber auch die Freunde des Turms, schwer getroffen. Und derer gibt es viele, denn bei der Stadt Pisa sind in den vergangenen Jahrzehnten unzählige Vorschläge zur Rettung des Turms eingereicht worden. Die meisten Ideen waren eher weniger ernst zu nehmen. Doch der Turm regt offenbar die Phantasie an. Ein chinesischer Techniker war sogar überzeugt, den Turm mit fernöstlicher Philosophie wieder aufrichten zu können. Wie ein Todkranker wurde der Turm jahrelang beobachtet und vermessen.
120 Sensoren meldeten jede seiner Bewegungen. Siebzehn Kommissionen wurden einberufen, doch jede Rettungsaktion beschleunigte nur seinen Verfall. Viereinhalb Meter war der Turm bereits aus der Senkrechten gekippt. Es grenzt an ein Wunder, dass er nicht längst umgefallen ist. Vor elf Jahren wurde der Turm von Pisa gesperrt. Bürokratische Hürden und eine falsche Sanierungsmaßnahme hätten ihm dann fast das Leben gekostet. Der britische Wissenschafter John Burland hat den Turm ausführlich studiert und ihn in letzter Sekunde doch noch gerettet. Jetzt soll er zumindest die nächsten 300 Jahre aufrecht überstehen.
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